Colourwash und mehr

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19.12.2011

 Kurse Frühjahr 2012

Neuer Quilt: Scrap Roses

Ausstellung 2009

Maschinen - Quilten

Fotos aus Kursen

 

Neue Story:

Rückwärts ist Vorwärts


Schwupp und weg

 

Es gibt in ihn in jedem Haus, in jeder Wohnung, den zentralen Ort, über den niemand redet obwohl er unendlich wichtig ist, permanent benutzt, nur höchst selten einmal gereinigt und unentwegt von allen Familienmitgliedern gebraucht wird. Es ... ist DIE SCHUBLADE. Die Schublade, in der sich einfach alles befindet, was man zum Überleben braucht, aber auch alles, was man nicht mehr braucht, was man vielleicht irgendwann mal brauchen könnte, alles, was man gefunden hat, aufheben will, ein bisschen wertschätzt... einfach das, was man auf keinen Fall jetzt wegwerfen oder mühsam aufräumen will. Die Schublade macht es möglich : Schwupp-weg und aufgeräumt.

 

Angefangen bei Büroklammern, Heftpflastern, Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Figürchen, Haargummis mit und ohne ausgerissenen Haaren, Heftzwecken, Zangen, Blumendraht, Batterien aller Größen, halb- oder ganz leer, Zollstöcke, Geo-Dreicke und stumpfe Buntstifte aus alten Hausaufgabenzeiten, eine Aufklärungsbroschüre für Knaben... die jetzt im Moment noch nicht aber sicher sehr bald wichtig werden würde, über Kaugummis nur in Silberpapier, weil man keine Zeit zum Auswickeln und Kauen hatte, Bonbons jeder Art und vor allen Dingen trockene Kulis. All diese kleinen Unersetzbarkeiten vermehren sich wie von selbst in dieser Schublade. Die Schublade, die jedesmal dann vor Überfülle klemmt, wenn man es eilig hat, und bei der die wichtigsten Dinge immer in der allerletzten Ecke verhakt sind. Seltsamerweise findet man hier keine leeren Schreibblöckchen.

DIE SCHUBLADE entsteht und wächst ganz von allein. Die Pflanze “Krempel” hat hier ihr Zuhause. Nur hier wird sie geduldet. Breitet sie sich in einer zweiten Schublade aus, beginnt das Chaos. Also Vorsicht, nur EINE Schublade ist erlaubt.

Ich staune immer, wenn in Filmen die dedectives auf der Suche nach der Mordwaffe Schublädchen öffnen und lockere zwei Höschen und einen BH in süßlila hochhalten, weil sonst nichts drin ist .... was sind das für Leute, die Schubladen mit solchen wenigen Dingen füllen ? Bei uns gibt es die Schlingpflanze Krempel... der Kampf gegen sie ist endlos.

 

Ich liebe unsere Schublade.

Ich fühle mich ihr irgendwie verwandt. Ist nicht mein Gehirn selber eine Krempelschublade. Alles wird reingesteckt, alles was ich sehe, höre, fühle, rieche, alles, was ich glaube zu sehen, jeder Gedanke, jedes Buch, Bilder Ferien, Träume und Tränen, Lachen und Weinen... und nicht zuletzt jede Nähanleitung, jeder Trick, jeder schnelle Weg, etwas besser und effektiver zu machen... einfach alles kommt ungeordnet hinein und verhakt sich, vermählt sich, gebiert Neues, sperrt sich oder rutscht irgendwann auch mal ins Nirwana.

 

Dann beginnt eines Tages der umgekehrte Weg. Etwas wird gesucht, etwas muss gefunden werden. Manchmal .. in letzter Zeit immer öfter ... versteckt sich da etwas, was man partout nicht wieder finden kann. Da hilft nur die Schubladenradikalkur : Umkippen.

 

Beim Gehirn ist das nicht so einfach, und dennoch, eine Umkippmöglichkeit gibt es, ein schönes Schläfchen. Gut geeignet zu einer solchen Aktion sind goldene Mittagschläfe zu unchristlichen Zeiten. Wird man dann wieder wach, ist die Schublade sekundenlang leer und ha ! da ist das Wort, das entfallen war, da ist ein Zipfel einer Idee, wo ich dies oder das hingelegt hatte, oben in meinem Patchworkraum. Denn.... und das ist das Erstaunliche : Im Patchworkraum, in meiner Werkstatt, da gibt es keine SCHUBLADE.

Die Pflanze Krempel hat keinen Zutritt.

Hier wird sie bekämpft mit allen Mitteln.

Jedes Lineal steht an seinem Platz, die Scheren liegen der Größe nach geordnet auf der sauberen Schneidematte, die Schraubenzieher und Nähfüßchen stecken an ihren Plätzen... und fängt die Krempelpflanze an, ihre Schlingwurzeln irgendwo hin auszustrecken, wird schnell eingegriffen. Warum nur ?

Klar. Hier herrscht das Motto : Zeit ist... Quilt.

Hier kann ich nicht rumsuchen und Zeit verplempern... ich hab keine Minute zuviel... nun ja... die Frage: „ Wo hab ich nur diesen Stoff?“... ach, das ist eine andere Geschichte, aber dabei geht es um reine Lust.

Aber Werkzeug und Anleitungen suchen ? Nein. Niemals.

 

Um so unfassbarer war der Verlust meines Cutters. Ausgerechnet der Cutter war weg. Und ausgerechnet der neueste, teuerste.

Diskret und nur so „nebenbei“ fing die Sucherei an. Wo konnte er sein ? Niemals verlege ich ihn. Es gab nur zwei Möglichkeiten, ich hab ihn irgendwo liegen gelassen oder die Katze hat ihn gefressen. Letzteres schied aus. Die Katze lebt noch.

Wo ist er ???

Nimm einen älteren Cutter, Ulla. Der tut’s auch!

Nein, niemals

„Was kostet so ein Dings ?“ fragt der liebe Ehemann genervt, als er mein Summen schon seit einiger Zeit vermisst und spürt, wie ich hilflos wütend suche, hört, wie ich Stoffläden anrufe und Freundinnen belästige. Nein, das Ding ist weg.

Die kostbare Zeit verrinnt und dann geht das Telefon, die Tochter ruft an und will dies und das und jenes und alles möglichst sofort.

„Ach, ich hab keine Zeit,“ ruf ich,“ ich suche meinen Cutter, das Ding ist weg, ich werde wahnsinnig, ich kann nicht mit meinem neuen Projekt anfangen !“

„Ach,“ meint das kluge Kind, „ der Cutter ist weg, hast du mal in DER Schublade nachgeguckt ?“

Blöde Idee !

Ich reiße DIE Schublade auf und... ich weiß, ihr denkt ich mache euch was vor...und da liegt er und strahlt mich gelb und sonnig an.

„Wie zum Henker kommt das Ding da rein ?“ kreische ich

„Na, wie denn.... ?“ sagt die Tochter „ einfach so : schwupp und weg. !“

 

 

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