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"Nein! Oder doch... Ja ?"
31.8.2008
"Du könntest mir eigentlich auch mal so ein Dings, so einen Kilt schenken, ich hab bald Geburtstag und du hast doch so viele davon herumliegen !"
Schon mal gehört, diesen Satz ? Ich denke, ja !
Er kommt so harmlos daher geflattert bei Unterhaltungen im Familien- oder Freundeskreis und er ist unbedingt ernst gemeint. Und nicht nur das, er ist exakt so gemeint, wie er formuliert wurde. Eines von diesen ... eh...Dings. Schön sind sie ja und gebrauchen könnte man sie auch, man würde sie auch sicherlich nicht weiterverschenken, obwohl letzteres nicht definitiv zugesichert wurde. Falls das Dings sich als unpassend zur neuen Einrichtung erweist, würde man es – sicherlich mit Bedacht - weiter verschenken, an jemanden, der das Dings "zu schätzen" weiß.
Anfangs war ich gelinde gesagt, erschrocken über solche gut gemeinten Anfragen. Gut gemeint, weil die Fragerin (es sind immer Fragerinnen), damit zum Ausdruck bringen wollte, wie sehr man diese Dinger doch schätzt, die es im Haushalt einer Quilterin zu bewundern gilt. Man übersieht sie keineswegs, die Dinger. Hübsch sind sie ja. Man könnte sich auf vorstellen, dass man sie gern hätte oder sogar gebrauchen würde. Also kann man ja mal fragen, das kost`ja nix.
Später hab ich mir angewöhnt bei solchen freundlichen Anfragen, mein Gesicht einfrieren zu lassen und ohne Umschweife mit "Nein" zu reagieren und keinerlei Begründung für das eisige Nein abzugeben. Ich erntete natürlich ebenso eingefrorene Gesichter der "Mal-eben-so-Fragerinnen", die meine Gründe für die Ablehnung gar nicht so genau wissen wollten, denen die Zeit zu schade war, sich das alles anzuhören.
Und jetzt werde ich dennoch Abschied nehmen von einem Quilt. Und das fällt mir gar nicht schwer... nicht allzu schwer.
Es ist etwas anderes, wenn man vom ersten Teilchen an schon weiß, dieser Quilt wird von mir weggehen und nicht mehr wieder kommen. Ich werde nicht sehen, wie er über den Boden geschleift wird, wie er in Ecken verkrumpelt und tagelang vergessen wird. Ich werde aber auch nicht miterleben, wie er sich um ein Kindergesicht schmiegt und mit Nuckelsabber vollgesabbert wird, ich werde nicht sehen, wie er tagelang von der Familie gesucht wird und werde nicht die Freude erleben, wenn er wiedergefunden wird... hoffentlich nicht im Hundekorb. Dieser Quilt wird endgültig von mir fortgehen.
Von Beginn an betrachte ich die Teile und stelle mir vor, wie sie wohl in der Fremde wirken werden, die ausgeschnitten Blumen, Bienen, Schmetterlinge, die bruchstückhaften Teile von kleinen Katzen und Dinosauriern, die zusammengenäht und miteinander verbunden für fremde Augen nur die Wirkung von hell und dunkel ergeben. Wird das Kind sich hineinversetzen in das, was ich ihm von der Welt erzähle möchte? Wird es die vielen Möglichkeiten nutzen, die nur ein Colourwash-Quilt hat, wenn er von ganz nah und mit viel Geduld betrachtet wird ? Ich werde das niemals erfahren.
Ein bisschen tut das weh.
Nur ein winziges Bisschen.
Der Verlust begann schon mit dem ersten Schritt zur Designwand. Dieses Teil wird weit von mir weg seine Wirkung entfalten und dennoch werde ich immer dabei sein. Irgend jemand wird sich (vielleicht) einmal fragen, warum hat sie das hier hin gesetzt, warum nicht dort hin ?
Oder niemand wird es sich fragen. Sie werden einfach den Quilt betrachten und ihn wegpacken, weil er so "schön" ist.
Das wäre wirklich das Schlimmste von allem. Es würde mich vom ersten kleinen Quadrat an traurig machen, wenn mein Quilt sein Leben in einem lichtdichten Schrank fristen müsste.
Ich sehe den einfachen Karton an, in dem mein Sonneschein verschwunden ist. Das Paketchen wird beschriftet und beklebt und weg ist er, mein Quilt, weit weg von mir.
Hab ich genügend Porto drauf geklebt... ist die Adresse korrekt und ist für alle Fälle auch der Absender gut leserlich. Sei nicht blöd, Ulla. Mach nicht so ein Theater... denk an deine erste Geschichte : A Quilt is born.
Er ist ein Kind, das dich verlässt und sein Leben beginnt....
Mach einen neuen Quilt und freu dich, dass du es kannst !
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