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08.04.2010

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Die etwas andere Bilanz.

 

 


Ich nähe mit “Inch”

Ich nähe mit Inch

Warum ? Das will ich hier erklären.

Zuerst einmal sei bemerkt, dass der Inch, das amerikanische Längenmaß, nichts anderes als der Zoll ist, mit dem Handwerker in aller Welt und auch in Deutschland erfolgreich seit ewigen Zeiten arbeiten, man braucht also keine besonderen exotischen Qualitäten, um mit Inch zu messen.

Der Zentimeter ist bekanntlichermaßen in 10 Teile geteilt, die Millimeter. Der Inch ist nur – grob gesehen - nur in 4 Teile geteilt, also in vier Viertel. Man muss sich nur daran erinnern, dass vier Viertel ein Ganzes sind oder ebenso acht Achtel ein Ganzes und schon verliert der Inch an Problematik. Es gibt nur keine Zehntel. Es gibt Viertel. Ein Viertel besteht naturgemäß aus zwei Achteln. Man erinnere sich an die Schulzeit und den virtuellen Kuchen, den es im Unterricht zu zerteilen galt, wenn die Bruchrechnung einsetzte. Ein Achtel wieder ist im allerschlimmsten Notfall in zwei Sechszehntel zu zerteilen aber damit ist die Rechnerei auch schon beendet.

Wie steht es nun mit dem Umrechnen. Ein Inch ist nicht genau 2,5cm. Da liegt der Hund begraben. Nicht genau ! Das Maß ist exakt 2,54 cm. Und genau das kann man beim Nähen nicht einhalten.

Man hat sich geeinigt, dass man Patchwork mit einer Nahtzugabe von ¼ Inch näht. Nicht breiter aber auch nicht schmäler. Einzuhalten ist der Viertelinch einfach. Man braucht dazu den passenden Nähfuß , bei Pfaff ist er ein Sonderzubehör, bei Bernina ist der Fuß Nr. 37 und bei Singer hat der reguläre Fuß eine Breite von ¼ Inch. Man darf dann die Nahtzugabe nicht breiter nähen, als dieser Fuß ist. Das heißt, der Stoff muss exakt rechts neben dem Füßchen aufhören, man darf gerade noch einen Faden davon sehen. Man kann auch ein Abstandslineal an der Maschine benutzen, bei Bernina gehört es zum Zubehör. Oder man klebt sich eine Abstandsmarkierung auf die Platte der Maschine, die etwas erhaben ist, damit man daran entlang nähen kann, ein sog. „Mäuerchen.“

Warum aber ist das exakte Einhalten des Viertel Inch so wichtig ?

Als ich anfing mit Patchwork war mir das alles ziemlich wurscht. Ich nähte mit meinem normalen Pfaff –Nähfuß und nahm immer einen Abstand, den ich als „meine Nahtzugabe „ bezeichnete. Die Blöcke wurden schön und das war die Hauptsache. Ja, die Blöcke wurden vor allen Dingen eines : quadratisch. Wenn die Blöcke nämlich nur aus einzelnen Quadraten bestehen, dann werden sie auf jeden Fall am Ende wieder zu Quadraten..... ABER, was ich nicht bemerkt habe, sie waren natürlich etwas kleiner als das angegebene Fertigmaß.

Macht nichts !!! Sie sind Quadrate, sie passen und was nicht passt, wird passend gemacht.

Wem ging es nicht ebenso am Anfang der Quiltkarriere ?

Bald kamen allerdings kompliziertere Blöcke dazu, die sowohl aus Quadraten als auch aus rechtwinkligen Dreiecken bestanden. Es ziepte und zog und zerrte.... sie wurden zurecht gezerrt, Stoff lässt sich ziehen und platt bügeln. Aber so richtig toll war die Sache nicht mehr.

Als ich mich dann an Rauten und noch kompliziertere geometrische Formen machte, passte einfach nichts mehr. Ich schob es auf meine notorische Unordnung, aber so sehr ich mich bemühte, so wirklich gut, war es nicht.

Es dauerte so lang, bis mir eine liebevolle Seele klarmachte, dass es der Viertel Inch eben sein MUSS.

Und das wird gleich einleuchten .

Denkt man sich einen 9 er Block, der in der obersten Reihe aus 3 Quadraten besteht, so hat man da 2 Nahtzugaben, die man falsch oder richtig nähen kann.

Die mittlere Reihe besteht aus zwei diagonal geteilten Quadraten und einem zwei mal diagonal geteilten Quadrat, so hat man in der mittleren Reihe schon 6 Nahtzugaben, die man entweder richtig oder falsch machen kann.

Die untere Reihe besteht aus 2 Quadraten und einem einmal diagonal geteilten Quadrat, so hat man da nun 3 Nahtzugaben, die falsch oder richtig sein können.

Macht man nun die Nahtzugaben mit einer „persönlichen“ Nahtzugabe oder mit 0,75 mm oder 0,6 mm dann hat man oben 2 Fehler, in der Mitte 6 und unten 3 Fehler. Der Block wird auf jeden Fall kein korrektes Quadrat werden, sondern wird in der Mitte eine ungewollte Taille haben. Und solche Ungenauigkeiten sind bei einem Block vielleicht noch zu ertragen, sie haben nur die unangenehme Eigenschaft, dass sie sich addieren und dann sehr sichtbar werden.

Noch besser versteht man es, wenn man sich klar macht, dass jeder Patchworkblock nicht aus dem All zu uns gekommen ist vor Urzeiten, sondern zuerst einmal aufgezeichnet wurde. Danach wurden die Berechnungen oder die Schablonen gemacht. Diese Berechnungen gehen von der Nahtzugabe ¼ Inch aus und nicht von „irgendeiner Nahtzugabe“.

 

Es sei denn, man verwendet nur Patchworkblöcke, die extra in Deutschland neugezeichnet und berechnet wurden und das auf der Basis einer Nahtzugabe von 0,75 cm oder 0,65 cm oder einem anderen Maß. Das sind sie aber meistens nicht.

Meistens wurden die Inchangaben einfach umgerechnet. Und das klappt nicht. Bei einem Dreieck z.B. verändert sich ein spitzer Winkel rapide, wenn man eine andere Nahtzugabe nimmt, das kann man leicht selber erproben. Es sind einfach zu viele kleine Bruchteile, die falsch sind, zu viele Zählchen hinter dem Komma, die man nicht einhalten kann und die sich gemeinerweise addieren und die ganze Sache am Ende ungenau werden lassen.

Will man im Laufe seines Quilterlebens auch auf ausländische Ideen zurückgreifen können, und die meisten Ideen und Anleitungen sind eben nicht aus Deutschland, dann sollte man sich frühzeitig auf Inch umstellen.

Es ist einfach ein wirklich gutes Gefühl zu sehen :“ Es passt !“

Zu der Umstellung braucht man genau 5 Minuten Mut, ein Inchlineal, nach Möglichkeit auch eine Inch-Schneidematte ( nein, einen neuen Cutter brauchen Sie nicht !) und schon können Sie anfangen.

Ich darf Ihnen erzählen, dass ich jahrzehntelang mit begeisterten Hauptschülerinnen Quilts genäht habe und die habe es in nicht mal 5 Minuten gelernt, aber da sie eben noch zur Schule gingen, und ich die Lehrerin war..... blieb ihnen gar nichts anderes übrig !!!!!!!!!!

Also, ran an den Inch, das wäre doch gelacht.

 

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