|
Ich bin schwach geworden.
Immer wenn ich die Übertragungen der prominenten Quilterinnen aus den Staaten auf meinem PC ansehe, fallen mir diese wunderschönen Hände mit makellos manikürten Fingernägel auf, die sanft über Nähte fahren, Stoffe glatt streicheln und so elegant die Tricks der Könnerinnen zeigen, dass man vor Neid blass wird. Solche Nägel !! So etwas müßte man auch haben.
Ich schaue deprimiert meine krummen Finger mit den schäbigen Nägeln an, an denen ich viel zu lange herumfeile und tue und mache, sie über- und unterlacke, damit sie einigermaßen gut aussehen, ja sogar mit Weißstiften habe ich hantiert, wasservermalbar und wasserverschwindbar..... ich schaffe diese Eleganz einfach nicht.
Allerdings – das sei nebenbei bemerkt- diese Unternagelweißmalstifte sind bei mir in der Quiltkiste landeten, denn man kann damit gut Quiltmuster auf dunkle Stoffe zeichnen... aber nun ja, dafür waren sie eigentlich nicht gekauft.
Nun erschien eines Tages die zauberhafte Antoinette zum Quiltabend mit Nägeln an, die uns alle und mich insbesondere sprachlos vor Entzücken machten. „Ja“, sagte sie, „ ja, dann müsst ihr mal in so ein Nagelstudio gehen... dann habt ihr auch solche Nägel !“
Da bin ich schwach geworden : Ein Termin wurde ausgemacht. Ich war erst mal platt, dass dazu zwei volle Stunden und der dicke Preis von mindestens 2 Meter Batiks notwendig waren. Na, gut. Hin und wieder muss man sich etwas leisten.
Ich wurde befeilt, bekleistert und unter UV Lampen getrocknet, bekam Nagelweiß, wie ich es noch nie gesehen hatte und ging etwas belämmert heim. Irgendwie waren das gar nicht mehr meine Hände. Aber, dachte ich, an Schönheit muss man sich auch gewöhnen.
Mein lieber Gatterich schwieg. Das verhieß schon nichts Gutes.
Meine kritischen Enkelkinder meinten knalldirekt : Oh, nein, jetzt fängst du damit auch an !”.
Das hat mich getroffen, ich fand mich doch so chic und up to date.
Wenn ich morgens wach wurde und meine Finger sah...( ich SAH plötzlich meine Finger nach dem Wachwerden !), dachte ich im ersten Moment: „Huch, wer ist denn hier in meinem Bett ?“
Langsam taten mir zwei Meter Batik leid.
Allerdings schienen meine Finger immer makellos sauber zu sein. Der Dreck war schlicht unsichtbar, in Wirklichkeit aber erschrööööcklich.
Dazu merkte ich, dass es mir unmöglich war, feinen Nadeln aufzuheben, .. die blieben liegen bis ein Magnet gefunden war; dass ich keine der winzigen Öffnungen an Handy und PC mehr aufklappen konnte, ich brauchte Hilfe wie eine alte, tatterige Oma und das Schreiben auf dem PC geriet zu einem wahren Balanceakt.....
Das Quilten allerdings ging prima. Der linke Zeigefinger war stark wie Holz und brachte den Stoff hoch wie eine Hilfe aus Metall.
Dann passierte, was passieren musste: Die Nägel wuchsen.
Die nächsten zwei Meter Batik waren fällig.
Herauszögern war angesagt.....
Dann kamen die langen, lauen Sommernächte und ich fing an zu knibbeln.
„Nein, tu das nicht“ kreischte meine ebenfalls gut benagelte Tochter per Telefon, „ du machst ja alles kaputt !“
Kaputt. Das war´s !
Mit Hammer und Säge...nun ja mit Feile und Brecheisen hab ich mir das Zeugs von den Nägeln gesprengt.
Heraus kamen meine ungeliebten, schäbigen, alten Nägel. Welch eine Freude, sie endlich wiederzusehen ! Sie grüßten mich wie gute alte, aber arg malträtierte Bekannte. Ich hab sie und mich getröstet : Das wird sich bald auswachsen.
Morgens liege nun ich in meinem Bett und niemand streckt mir fremde, vornehme Hände entgegen, ich friemele wieder Winzeligkeiten vom Boden auf den Tisch, muss nicht mehr um Hilfe rufen, wenn Halskette oder Häkchen verschlossen werden müssen und ganz by the way : ... Nasebohren geht auch wieder.... ich weiß, über so was spricht man nicht. Aber nun ja....
Als ich dann meinen Freundinnen meine krummen, jämmerlich manikürten Finger zeigte, haben sie gelacht und von Marli kam der einzige sinnvolle Rat :
„Ach, Ulla, geh doch hin zu der Schönheitsfee und bitte sie darum, den linken Zeigefinger zum Quilten zu bearbeiten und dich ansonsten in Ruhe zu lassen !“
Auf DAS Gesicht der Fee bin ich jetzt schon gespannt.... aber bevor ich mir das gönne, muss ich erst mal die gewonnenen zwei Meter Batik kaufen...
|