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Die etwas anderes Jahresbilanz
Wunderbare Menschen verfassen, vervielfältigen und schicken um die Jahreswende herum ihrem mitmenschlichen Publikum gern ebenso wunderbare Jahresbilanzen. Das Publikum der bedauernswerten Mitmenschen liest staunend, was diese glücklichen, erfolgreichen und wie gesagt wunderbaren Menschen alles so erlebt haben und fragt sich klamm heimlich dann : Und ich ????
Ich ? Nix von all dem ??
Oder doch ?
Ich habe einen großen Quilt vollendet. Gestern ist der letzte Stich am Aufhängetunnel mit einem kleinen Vernäherknötchen beendet worden, es folgte ein langes
" Phhhhhhhhhhhhft" und er ist fertig. Was für ein Erfolg. Wieder einer fertig. Wieder durchgehalten bis zum letzten Stich... meine Welt steht still und applaudiert, ganz leise, für alle unhörbar aber in meinem Herzen drin. Aus vielen kleinen Teilen, die so für sich betrachtet eigentlich in den Müll gehörten, ist etwas Neues, Bewunderswertes, etwas einmalig Schönes geworden. Schon im Mai war das erste Teil fertig und jetzt ist der Dezember zu Ende und erst jetzt ist der Quilt fertig.
Ist er ein Sinnbild für das ganze Jahr? Viele kleine Erlebnisse, Gespräche, Ideen, Hinweise, Blicke und Antworten... aus all denen zusammen wird ein Ganzes, das Jahr 2009. Jetzt weiß ich, warum ich die kleinen Fitzelchen nehme und zum Ganzen werden lasse.
Oh ja, das war noch lang nicht alles. Ich hatte keinen Autounfall, bei all den vielen 1000 km, die ich auf der Autobahn hänge, im Sonnenschein, im Sturm im Juni ohne Scheibewischwasser und fast ohne Öl... im Regen im November, im Stockdunkeln, nein, eben nicht im Eis und nicht im Schnee, eingefädelt in ein rotes Rücklichterband mit entgegenkommenden weißen Lichter... keinen Unfall. Was für ein Erfolg.
Wenn ich den Dom so – aus der Ville kommend – vor mir liegen sehen, eingebettet in das heilige Köln, dann DANKE ich jedes Mal, dass ich es immer noch kann. Das Autofahren, das, was ja doch eigentlich jeder kann.... was für ein Erfolg. Was für ein Glück.
Jetzt im Winter kann ich den Dom nicht mehr sehen, er verschwindet, nicht angeleuchtet, in der Finsternis... schade, aber ich weiß, er ist da. Also gibt es auch dann einen Grund, den Kopf ein paar Sekunden vom Asphalt zu heben....
Und, ist das etwa alles ?
Umgeben von lieben Freundinnen darf ich so viele Stunden mit Lachen, Albern und Schwätzen verbringen und dabei noch Wunderschönes aus dem Nichtsein ins Sein zu rufen. Alle machen Quilts, jede hat neue Ideen, und jeder noch so blöde Gedanke wird lustig kommentiert, nicht tot geredet, nicht zerrissen oder verlacht, nein er wird belacht, begackert und hochgehoben, wer hat schon so etwas ? Und wenn Tränen fließen, dann findet sich eine, die sie trocknet und die anderen hören zu und nehmen auf, teilen den Kummer und halbieren ihn dadurch.
Was für ein Erfolg... wirklich, beneidens- und berichtenswert.
Das alles sind doch wunderbare Dinge, die es zu berichten gibt.... aber sie sind nichts gegen die Erfolge der gesunden Enkelkinder. Ja, sie sind gesund, ja sie sind fleißig und stehen jeden Morgen um 6 Uhr auf, fahren mit Bussen in die Schulen und rackern viele Tage bis 16 Uhr, wenn im Winter die Sonne fast unter gegangen ist. Deren Eltern, unsere Kinder, arbeiten sich ab und kratzen ihr Geld zusammen, wo immer sie können... aber es gibt eben keinen Ritterschlag der Queen und keinen Nobelpreis... obwohl es eigentlich an der Zeit wäre, einmal einen normalen schaffenden Vater, eine um Existenzminimum kämpfende alleinerziehende Mutter mit einem – wenigstens – alternativen Nobelpreis zu ehren. Das wäre mal eine Idee, denn dann, dann könnte auch ich eine strahlende, wunderbare Jahreszusammenfassung schreiben und sie allen Menschen zuschicken, ob sie sie nun lesen wollen oder nicht.
Aber so weit sind wir noch nicht.
Feiern wir heute dem Beginn eines neuen Jahrzehnts und seien wir dankbar für ein Dach über dem Kopf, eine warme Wohnung, einen gefüllten Kühlschrank, für gemütlich warme Betten, aus denen uns niemand heute Nacht vertreibt, einen Wasserhahn, aus dem jederzeit kaltes und warmes und dazu noch sauberes Wasser fließt, ein ( ein ? ) Telefon, mit dem sich Hilfe herbeiholen läßt, die dann auch kommt, Menschen um uns herum, die zuhören und da sind.....
Und vor allen Dingen... um Strom, der nicht nur unsere Nähmaschinen zuverlässig antreibt.
In diesem Sinne wünsche ich UNS allen ein gutes neues Jahr !
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