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6.4.06
Der Baum
Quiltläden üben eine besondere Zauberkraft aus, das ist sicher keine neue Nachricht. Wir alle kennen das, wenn wir uns von normalen modernen Sterblichen zu Jägerinnen und Sammlerinnen verwandeln, wenn unser Hirn alle überflüssigen Warnfunktionen ausschaltet, wenn alles um uns herum versinkt und wir in Sekundenschnelle nur noch aus Augen, Fingern und bestimmten Restbeständen des Stammhirns bestehen, die haben wollen. Haben ! Haben! Haben......
Nichts neues für uns.
Aber wusstet ihr schon, dass Quiltläden Menschen, Gott sei Dank ausnahmslos männliche Menschen, in Bäume verwandeln kann ?
Ich weiß es. Mein lieber Gatterich ist so ein armes Opfer dieser Zauberläden. Er schlägt automatisch Wurzeln wenn ich mich auf die Jagd in einem Quiltladen mache. Was im Klartext bedeutet : Er wird zum Baum. Aus seinen Füßen heraus wachsen tiefe Wurzeln in den Boden, die ihn festhalten. Sein Körper wird zu einem Stamm, seine Arme und Hände verwandeln sich zu Ästen, die sich vergebens nach dem Licht der Außenwelt strecken und dehnen und sein Kopf... schon mal einen Baum mit Kopf gesehen ? Sein Kopf stirbt ab. Da steht er. Er bewegt sich nicht, kein Baum kann weglaufen und so steht er felsenfest und.... baumt.
„Oh, Gott, er baumt wieder,“ schießt es mir durch den Kopf, „ ich muss mich beeilen, sonst krieg ich ihn nie mehr wieder hin und er wird hier stehen und verwelken!“ Also, Tempo Tempo !”
Manche klugen Ladenbesitzerinnen kennen diese besondere Zauberkraft des Ladens. Sie aktivieren ihrerseits ihre entsprechenden Männer, die dem Zauber dank Steuererklärungen und Abgabenberechnungen schon lange nicht mehr ausgeliefert sind, und diese widerstandsfähigen Zeitgenossen kümmern sich um die baumenden Ehegatten. Man verstrickt sie in ein Gespräch über Holzbearbeitung, Autorennen, Fußball und was es sonst noch für männliche Möglichkeiten gibt, aus einem Baum wieder einen Mann zu machen. Der Baum sackt in sich zusammen, das Hirn füllt sich mit Blut und beide Herren tauchen ab in die jeweilige Männerwelt. Nur, die ganze Aktion hat einen kleinen Haken. In exakt dem Augenblick in dem das Ritsch-Ratsch des Kreditkartenlesegerätes ertönt, läßt das Interesse von Baum Nr. 2 an Baum Nr. 1 schlagartig nach. Der steht dann plötzlich ganz allein da, hilflos und verlassen. Er wirft einen suchenden Blick in die Runde und entdeckt seine strahlende, schwer bepackte bessere Hälfte und man verlässt gemeinsam - glücklich über Autorennen, Fußball, Holzbearbeitung und... einen entzückendes neues Stöffchen schnatternd - die Städte der Verwandlung.
Und dann passierte das : Ich kann es bis jetzt kaum fassen: Neulich hat mir mein zur Verbaumung neigende Gatterich nach einer Reise nicht das übliche Stückchen Schokolade aufs Kopfkissen gelegt, das ich immer NACH dem Zähneputzen entdecke, sondern ein bildschönen Fat Quarter Batikstoff. Himmel noch mal, diesmal traf MICH der Schlag und ich verwandelte mich in eine.. nun ja, sagen wir es freundlich, ... Birke. Als die Verzauberung und der Schreck nachließen, sank ich auf mein Bett und musste mich ernsthaft fragen:
„Er bringt mir ein Fatquarter, was ist denn das ? .....
Haben die Läden ihren speziellen, männerlähmenden Zauber verloren, oder muss ich anfangen mir Gedanken über meine geliebten Baum zu machen ?“
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