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08.04.2010

Indien,

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Die etwas andere Bilanz.

 

 


                        Blockhausträume                                         

Wenn ich abends nicht gut einschlafen kann, dann verziehe ich mich einfach in mein Blockhaus tief im verschneiten kanadischen Wald. An den Fenstern hängen Eiszapfen und im Kamin brennt ein wärmendes Feuerchen, ich sitze im Schaukelstuhl davor und quilte einen Log Cabin Quilt, natürlich. Woher ich das Licht dazu nehme, weiß ich nicht so genau, denn meistens bin ich schon bei der Vorstellung eingeschlafen, dass draußen der Wind pfeift und ein aufgewachter Bär an der Tür kratzt, während ich sicher am Feuer sitze.

Wer kann nach solchen Einschlafträumen meine Freude beschreiben, als sich das gebuchte Hotelzimmer im Banff National Park im wirklichen, echten Kanada als wirkliches, echtes Blockhaus entpuppte ? Zuerst war ich starr vor Sorge, dass es ein Irrtum sein musste, denn das hatte ich nicht gebucht. Aber nein, wir durften in dem Blockhaus übernachten. Und.... tatsächlich... es gab einen offenen Kamin, eine weiche Couch davor, auf die ich sofort sank und meinen mitgenommen Quilt herausholte und beschloss, mich an diesem Abend nicht mehr fortzubewegen. ABER.... wir brauchten ein Feuer.

Mein lieber, mit meinen Einschlafträumen vertrauter Gatterich, guckte sich um ... kein Holz. War der Kamin auch ein echter ? Er war. Kaminklappe, Schornstein... alles war da, nur kein Holz.

„Ulla, wir haben kein Holz!“

„Kein Holz ?“ ich war fassungslos. Das durfte nicht sein.

„ Kein Holz ? Hör mal, wir sind hier mitten im Wald, wir gehen raus, wir holen uns Holz !“

 

Na klar. Also nichts mit Nichtmehrfortbewegen heute Abend. Wir stiefelten in den uns umgebenden Wald, bestückt mit einer jämmerlichen Plastiktüte und einem Schweizer Messer, falls das Holz immer noch an den Bäumen hing, anstatt anstandshalber heruntergefallen zu sein. Aber es bestand kein Mangel an halbverfaulten Ästen und Zweigen. Obwohl die Tüte bald voll war, zog es uns immer tiefer in den holzvollen Wald, denn jetzt war unser Sammeltrieb erwacht..

„Der Abend ist lang“, dachte ich, „jetzt wird ordentlich was mitgenommen!“

 

„Stop it !“

Erschrocken fuhren wir zusammen. Ein Stimme bellte uns an ! Eijei ... ein Mensch in dieser Einsamkeit ? Natürlich stoppten wir sofort. Ob dem Menschen der Wald gehörte und wir beim Klauen erwischt worden waren ? Ein riesiger Kerl mit Gewehr kam kopfschüttelnd auf uns zu und raunzte uns an, ob wir nicht wüssten, dass.. nein... Holzsammeln war nicht verboten..., dass es hier Bären gäbe und die seien auf der allherbstlichen Futtersuche, wir sollten uns mal schnell wieder auf die Socken machen und zurückgehen, er – der Ranger - würde mitkommen und aufpassen.

Das brauchte er uns nicht zweimal zu sagen. Ziemlich bedröppelt machten wir uns ....ziemlich schnell auf den Rückweg. Dabei hatten wir so ein seltsames Kribbeln im Po, aber unser Holz wurde eisern mitgeschleppt.

 

Zurück in der Sicherheit des Blockhauses ging's jetzt ans Feuermachen.

 

Aber.. es klappte und klappte nicht. Die Hochglanzpapierprospekte, die im Hochglanzblockhaus (sicher nicht als Anmachholz gedacht) herumlagen, wollten nicht richtig brennen und das feuchte Holz sowieso nicht. Der Gatterich sah seine Ehre als familiärer Feuermacher schwinden, aber er gab nicht auf. Endlich züngelte das erste Flämmchen kaum sichtbar in dem dichter werdenden Qualm, der den Raum füllte. Gerade wollte ich mich mit dem Quilt malerisch in die Couch sinken lassen und vor mich hin träumen.... da ging der Rauchmelder los. Er heulte, kreischte und schrie. Die Tür flog auf, Leute stürzten herein, brüllten und fluchten. Fenster wurden aufgerissen, der Rauch verwedelt und unser Feuerchen brutal gelöscht.

Oh mein Traum ! Zerplatzt ! Weg! Futsch !

 

„War wohl nicht unser Tag,“ meinte der liebe Feueranmach-Ehemann abends, bevor er - schnell wie immer - einschlief. Ich lag wach, mein Traum vom Blockhaus ... geplatzt.

 

Am nächsten Morgen strahlte der Himmel klar und blau. Die Blamage war vergessen. Wir verließen das Blockhaus, um diesmal zum Frühstück und nicht in den Wald zu gehen. Da stolpere ich über einen sorgfältig aufgeschichteten, brottrockenem Feuerholzstapel, vom Hotel für die Blockhausgäste täglich bereitgestellt.

 

Und dennoch, wenn ich heute nicht gut einschlafe, MEIN Blockhaus hat immer noch Eiszapfen vor den Fenstern und mein Feuer brennt und wärmt und .........Rauchmelder, die gibt es da nicht.

 

Log Cabin in drei Farbwerten, hell/mittel/dunkel

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