Colourwash und mehr

Letztes update:

19.12.2011

 Kurse Frühjahr 2012

Neuer Quilt: Scrap Roses

Ausstellung 2009

Maschinen - Quilten

Fotos aus Kursen

 

Neue Story:

Rückwärts ist Vorwärts


Back to the roots

Zurück zu den Wurzeln

In meiner um ein qualvolles Sitzenbleiberjahr verlängerten Schulzeit habe ich nie zu den Kindern gehört, bei denen die Martinsfackeln Jahr für Jahr tadellos gelungen sind. Und Martinsfackeln basteln war (ist ?) im Rheinland ein must... ehrlicher gesagt : ein Horror, um den kein Kind nach den Sommerferien herum kam. Ich habe mir jedes Mal von Beginn an vorgenommen: " Diesmal mache ich alles von Anfang korrekt, richtig und genau, diesmal werde ich zu denen gehören, bei denen die Fackel gerade steht oder makellos hängt, wo die Winkel stimmen, das Papier nicht verschmiert ist und es keine Knicke und Knitter gibt."

Es ist mir niemals gelungen. Heute weiß ich, dass bei den akkuraten, unverschmierten und tadellosen Kunstwerken der beneideten Mitschülerinnen viel elterliche Mitarbeit im Spiel war, damals konnte ich mir solche Heimtücke gar nicht vorstellen.

Geblieben ist das Wissen : Ich kann es nicht !

Und die Frage : Warum können andere es ?

Und das blieb auch so, als ich auf der anderen Seite der Klassen stand. Am Liebsten hätte ich mich Jahr für Jahr um die St. Martinsquälerei gedrückt. Ich sah das Scheitern immer schon kommen, wenn die kleinen Hände mit Scheren und Uhu werkelten und dann die Dinger einfach nicht richtig zusammen passen wollten.

Und ich mache Patchwork ?

Letzten Samstag habe ich nach langer Zeit einmal wieder einen Kurs gestartet, bei dem Herbstblätter genäht werden sollten. Nein nicht einfach wild aus dem Stoff geschnitten, nicht Formen, die man aufpappt und über die dann drüber gequiltet wird, nein keine Zufallserfolge nach dem Motto : " Mal sehen, was dabei rauskommt!" oder " Wie wird sich der Quilt entwickeln ? Ach, das ist immer so spannend !" Nein diesmal habe ich ein Muster gewählt, bei dem exakt gemessen, geschnitten und genäht wird. Lange Jahre habe ich so etwas nicht mehr gemacht. Ich habe Rundungen geschnitten, ausgetauscht, Zufälle produziert und Unvorhergesehenes sich entwickeln lassen und war damit auch glücklich. Ich habe immer wieder gestaunt, wie alles zusammenwirkt... vorausgesetzt, man hat die richtigen Farben verwendet. Und vorausgesetzt, man weiß viel über Farbwerte.... dann klappt es.

Und diesmal wieder : Fackelbasteln.

Da ich mir selber gegenüber außerordentlich misstrauisch bin und aus Erfahrung schon viel gelernt habe, habe ich vor dem Kurs selber Herbstblätter fabriziert.

Exaktes Messen, genaues Zuschneiden. Die Winkel müssen stimmen, nicht ein winziges Bisschen abweichen vom vorgegebenen Grad, die Abstände ganz, ganz genau einhalten, die Teile kritisch prüfen, nachmessen, anpassen, zurechtlegen.

Dann das Nähen. Der Viertelinch ist jetzt das absolute Muss. Genau an dem Füßchen entlang, nur ein Schimmer des unten liegenden Stoffes darf zu sehen sein, mit einem Stiletto den Rest der Winkelnähte festhalten, nicht mit der Naht nach außen oder innen wandern, nach dem Nähen die Naht ansehen und überprüfen und eventuell auftrennen, eisern. Die Nahttreffpunkte vorbohren, sorgfältigst stecken und...

Da ist er : Der perfekte Block. Das perfekte Blatt.

Wie wunderbar ! Ich hab es geschafft ! Ich allein. Keine verklebten Transparentpapiere mehr, keine schiefen Winkel, die die Fackel brandgefährlich machen, ich hab es geschafft, der Block ist da, so wie er ausgerechnet, geplant und gewollt war.

Nichts entwickelt sich zufällig von selber, nichts läuft irgendwie aus dem Ruder und ergibt etwas Unvorhergesehenes oder Nicht-So-Gewolltes.

Was für ein herrliches Gefühl.

Jetzt weiß ich es wieder, warum ich mit Patchwork vor so vielen Jahren angefangen habe. Es war der ewige Wurm im mir : "Du kannst es nicht ! Du bist zu unordentlich, es wird sowieso nichts."

Es stimmt nicht ! Ich kann. Ich kann etwas fertig bringen, das genau so wird, wie es geplant war.

Ich habe mich selten auf einen Kurs so gefreut wie auf diesen. Und ich hoffe, diese Freude am Gelingen, am eigenen Können an meine Kursteilnehmerinnen weiter geben zu können, die unter 2 5/8 Inch und 3 5/32 Schnitten stöhnen.

Die Belohnung tritt ein und zwar nicht nach Wochen, sondern nach kurzer Zeit, auch wenn eine Naht drei mal wieder aufgetrennt worden war.... was solls ? 

Rückwärtsnähen bringt einen auch vorwärts und am Ende steht :

 

Ich kann das !

 

 

 

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