Colourwash und mehr

Letztes update:

19.12.2011

 Kurse Frühjahr 2012

Neuer Quilt: Scrap Roses

Ausstellung 2009

Maschinen - Quilten

Fotos aus Kursen

 

Neue Story:

Rückwärts ist Vorwärts


A quilt ist born

"Achtung, Manfred !"

Wenn dieser Ruf ertönt, dann springt Manfred, mein Dear Husband, von seinem Kniestuhl am Schreibtisch hoch ich nehme an, das tut seinem Kreislauf gut - und stürzt zur Tür. Es macht nichts, dass er diese nicht richtig öffnen kann, denn sie wird von außen von der Leiter blockiert, die in unseren ausgebauten Dachboden führt, quetscht sich durch den Türspalt und nimmt stramme Haltung an.

Ein Quilt wird geboren.

Er fliegt in einem Stück von oben runter, verhakt sich an den Treppenstufen, rutscht endlich auf den Boden und Manfred sagt manchmal eine Sekunde zu früh :" Wunderbar, wirklich wunderbar. Nein, wie Du das nur immer schaffst?" und versucht, sich wieder still und leise in Richtung Kniestuhl in sein Arbeitszimmer zu bewegen. Natürlich gelingt ihm das nur selten, denn das war zu wenig der Bewunderung.

Wird ein neues Baby etwa nur mit einem kurzen "wunderbar" begrüßt ?

Es muss betrachtet werden, hin und her gewendet werden, die kleinen süßen Zehen werden gezählt... Natürlich hat mein neuer Quilt, der endlich ein einziges Stück ist, keine süßen, kleinen Zehen, aber er besitzt ein Vlies und eine Rückseite, er ist geheftet und läßt schon einen nur für eine "Mutter" spürbaren Hauch der Griffigkeit ahnen, die er einmal haben wird, wenn er fertig gequiltet ist.

Ich klettere hinter meinem Baby die Leiter herunter. Ich erhebe mich gerade aus den Wehen. Ich hab sie hinter mir, die einzig schlimme Arbeit, die der Quilt mir gemacht hat, ich hab ihn "gesandwiched", auf Vlies und Rückseite gelegt, und dann stundenlang gehefet, eine Arbeit so altmodisch wie das Wort.

Kommt mir nicht, Schwestern, mit Hilfsmitteln wie Sicherheitsnadeln oder einem Tucker, nein, das wäre ja fast wie eine Peridual Narkose, modern, schnell, fast schmerzlos; aber weiß man, ob sie dem Baby nicht schadet? Ich habe mich durch die letzten Wehen des Heftens gearbeitet. Labor heißen Wehen im Englischen, und genau das waren die letzten beiden Stunden. Aber nun ist es geschafft. Da ist er ! Kommt her und bewundert meinen neuen Quilt. Es ist geboren das Baby. Vergessen sind die letzten beiden mühsamen Stunden, es waren die einzigen, bei denen man die Zähne zusammenbeißen musste.

Natürlich erleichtern anwesende Hebammen diese Wehen, aber auch die besten Freundinnen drücken sich gern vor dieser letzten Qual.

"Da muss man allein durch", sagte schon meine Mutter, und die hat von Quilts keinen Schimmer. Monatelange Arbeit ging voraus, die man munter summend erledigte, immer im Hinblick auf das, was da kommen wird.Für andere ist es ein Geheimnis, was da schlummert und langsam wird. Wir tragen es in uns und lächeln nur, wenn die Familie im besten Fall den Kopf oder sich mitleidig an die Stirn greift. Wir wissen, was da heranreift.

Und so wie wir hin und wieder vor der Kloschüssel hockten in den schwierigen neun Monaten einer Schwangerschaft und unser Schicksal verfluchten, so haben wir Nähte aufgetrennt, falsch geschnittene Teilchen schnell in der Restekiste verschwinden lassen, ja manchmal ganze Stoffe aus dem fast fertigen Quilt herausgelöst und durch einen anderen ersetzt, der uns ideal erschien,manche Nacht durch genäht und jede freie Sekunde an der Nähmaschine gesessen. All diese Arbeit haben wir ohne zu murren übernommen, weil wir wissen:

Das Baby wird unwiderstehlich. Wir erinnern uns an die Idee, die am Anfang war.... Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor, ".... am Anfang war" ..... ? eine Idee. Dann der Entschluss, ich mach es und dann haben wir uns an die Arbeit gemacht, jeden Tag wuchs unser Werk und wir erinnern uns kaum noch an das Teilchen, das nun wirklich das allererste war, mit dem Quilt begonnen wurde. Das Chaos ist beseitigt, aus 1000 Teilen wurde ein Ganzes.

Der Quilt wird geboren.

Schon jetzt könnte er wärmend auf unseren Knien liegen, schon leuchtet er vom Quiltrahmen und nimmt seinen Platz im Haus ein, obwohl es noch zu früh ist, er ist noch ein Baby. Noch ist er nicht gequiltet. Viele Monate, ja manchmal mehr als ein Jahr arbeiten wir an unserem Baby. Jahre schafft man, bis die Kinder sich aus dem süßen, kleinen, hilflosen Bündel, von allen bestaunt, bewundert, geliebt zu Erwachsenen entwickeln, oft nicht so geworden, wie wir sie in unseren kleinen Geistern geplant haben, aber immer geliebt, begradigt und glattgequiltet. Und dann nach den vielen Wochen des Quiltens, des Nachdenkens und Träumens, was aus dem Quilt mal werden wird, ist er dann endlich erwachsen, Entschuldigung, ich meine : fertig. Die letzte Kante ist genäht, die Schlaufe zum Aufhängen und das Signé, alles ist da und er hat einen Namen.

Man kennt ihn nun schon lange. Ja, es kam vor, dass er einem echt zuviel wurde. Hatte man wirklich dieses unendlich mühsame gefederte Design als Quiltmuster nehmen müssen, hätte nicht auch etwas weniger Mühe ausgereicht ? Nein, jahrelang werden wir stolz auf gerades dieses Quiltmuster hinweisen. Und wenn es keiner bemerkt, wir sehen es.

Wir sehen die winzigen Stiche, wir sehen die kleinen versteckten Fehler und sind stolz auf all die unsichtbare Mühe, die wir in unsere Kinder gesteckt haben. Und dann verläßt der Quilt unser Haus. Keiner kann mir sagen, dass es nicht ein bißchen weh tut.

Wir machen uns Sorgen, ob er in gute Hände gekommen ist, ob man ihn gut behandelt und schätzt.

Hin und wieder werden wir ihm noch einmal begegnen und an all die Arbeit und Träume denken, die in ihm stecken und wenn er schlecht behandelt wird, hilft kein Angebot, ihn wieder zu kaufen. Er hat uns verlassen. Er kommt nicht zurück.

Oder aber er liegt als leuchtende Kostbarkeit in einem Haus, das uns durch ihn nicht mehr fremd ist, erzählt von uns und gibt den Menschen Wärme und Geborgenheit.

Unsere Kinder verlassen uns als prächtige Menschen, und manch eine spürt Einsamkeit in sich.

Ein Quilt, der uns verläßt, läßt uns nicht einsam werden, wir haben schon einen neuen im Kopf und bald heißt es dann wieder :

"Achtung Manfred ! A quilt is born. "

 

 

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