Gone with the wind

Gone with the wind.
April 2009

Seit wir nicht mehr unsere Gedanken, Ideen und Erkenntnisse auf Stein meißeln oder zumindest in weichen Ton kratzen, geht es abwärts mit uns. Nichts wird von allem bleiben, was in uns vorgeht. Die Papiere werden im Regen aufweichen und Schimmel wird alles zerfressen. Von uns wird nichts von allem bleiben, gone with the wind…. verloren im Äther, im Regen, in der Erde, und heute im elektronischen Nirgendwo: Die e-mails, die Blogs und Telefonate des virtuellen Gedankenaustauschs.

Das sind trübe Aussichten. Was wird sein in 1000 Jahren ?

Niemand kann es sagen…?

Ich falle immer übel auf, wenn sich mein lieber Gatterich mit mir an irgendeinem Ort der Welt kluge Vorträge anhört. Archäologen nehmen Dinge aus längst vergessenen Kulturen in die Hand, schauen sie allwissend an und versuchen sie einzuordnen in ein Leben, das wir uns nicht mehr ausmalen können. Dann dauert es meistens nur eine Minute und es fällt der Satz : „Dieses Teil ( was immer es ist ??) wurde zu kultischen Zwecken verwendet, man benutzte es zu bestimmten spirituellen Handlungen !“
Punkt. Pause.
Jeder starrt das Dings an… stellt sich weiß der Himmel welche kultischen Handlungen und spirituelle Faxen vor, die da abgelaufen sein sollen.. verstehen tut es eh keiner, es hört sich so schön perfekt an, auf jeden Fall besser als : “ Wir haben absolut keine Ahnung !“

Manchmal zeige ich schon bevor ein kluger Gelehrter seinen Vortrag beginnt auf irgendetwas Unbegreifliches aus lang vergangener Zeit und lästere im Vornherein… “ Siehst du, hier sind sie wieder, die kultischen Gegenstände… du wirst es gleich hören !“

Und jetzt sehe ich all das an, was um mich herum ist und stelle mir vor, was bleibt eigentlich davon?
Man wird staunen über diese seltsamen “ Bei – Häuser“ neben jeder Hausruine, Bei- Häuser mit großen Blechen drin und viel Eisen und Metall ….na klar, ich spreche von den Garagen
Man wird Klumpen undefinierbarer Farbe und Konsistenz, Reste der hundertfachen Plastikwelt in Küche, Bad und Klo finden. Nie verrottende Messer und Bestecke aus der Küche, . da freut sich der Ausgräber in ferner Zukunft, denn darunter kann er sich nun endlich etwas vorstellen… aber ansonsten wird er wohl von unserer Zeit als dem „Blechzeitalter“ sprechen… oder besser noch vom „Nicht rostenden Blechzeitalter“, denn … was findet er in jedem Hügel, den er ausgräbt, in jedem Steinhaufen, der nach Erkenntnissen durchwühlt wird ?
Er findet den absolut ultimativen Kultgegenstand des 3. Jahrtausends.
“ Ja, das ist wieder einer dieser wunderbaren, niemals rostenden Kultgegenstände!“ wird er klug mit den Augen rollend erklären,“ man brauchte ihn für einen besonderen Wasserkult, damals kam man auf die Idee, dass Wasser kostbar sei, man ließ das Wasser herein, es floss heraus und die Menschen fielen auf die Knie ! Der Wasserkult des Blechzeitalters ist einer der bedeutendsten Entdeckungen… bla bla…. !“

Vor dem Archäologen der Zukunft liegt eine große nie rostende Trommel mit vielen Löchern, gut für gar nichts, nur für kultische Zwecke.. sie kann sich drehen, sie läßt das Wasser rein und rauslaufen, also das ewig lebende Ding ist gut für nichts, nicht zur Vorratshaltung, nicht zum Transport… also für kultische Handlungen….
Bis dann eine kleine Zukunftsfrau im Jahr 5489 kommen wird, die weiter buddelt und die kultische Handlung nicht akzeptiert. Sie wird auf die Idee kommen, dass dieses Dings so überflüssig nicht gewesen sein kann, denn sie hat etwas anderes gefunden, das ihr bekannt vorkommt. Sie hat – unbeachtet von allen kultischen Gegenständen – eine winzige nicht rostende Nadel gefunden mit einem wirklich sehr feinen Nadelöhr.
“ Junge, Junge,“ wird sie denken, “ das waren aber doch eifrige Frauen damals in den primitiven Zeiten, dass sie so etwas Feines einzufädeln konnten!“ Ja, das kennt sie, denn nähen müssen Menschen immer. Sie wird weiter denken und überlegen, wohin denn nach dem Schmutzigwerden mit diesem Genähten, das so fein gestichelt war ?
Klar, ins Wasser. Wasserkult ?!
Es wird nicht lang dauern und sie wird so lachen – wie ich jedes Mal – , wenn einer der allwissenden – unwissenden klugen Ausgräber der Zukunft ihr weiß machen will….:
„Ach, diese niemals rostenden und verrottenden Loch-Trommeln, das waren Kultgegenstände!“, denn selber nähen und waschen, dass kann der kluge Allwisser der Zukunft natürlich nicht… dazu hat er ja seine Frau und die weiß, wozu diese sich drehenden „Kultgegenstände“ einmal gut waren……………….

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