Weihnachtliche Verpackungen

Weihnachtliche Verpackungen

 

Vor Weihnachten kann es passieren, dass man einen der Dufttempel aufsucht, um noch dies oder das Duftige zum Fest zu erstehen. Es ist jedes Mal wie das Abtauchen in eine andere Welt, die engelhaften Feen, die dort herum schwirren, falls sie überhaupt auftauchen, sind so atemberaubend perfekt geschminkt, dass die eigene Falten und Fältchen von Sekunde zu Sekunde tiefer werden und man am liebsten einen Dschador aus der Handtasche kramen würde.

Nun ja, damit muss man leben.

Das Parfüm ist gekauft und nun soll es auch adäquat verpackt werden, so wie man es selber mangels Bändchen, Schleifchen, Glitzer und Goldstaub niemals schaffen könnte. Diese kunstvollen Verpackungen, die kleinen Mädchen die Tränen in die Augen treiben, sind eigentlich viel zu schade, jemals aufgerissen zu werden. Die Schleifen werden beiseite gelegt, das Papier geglättet, man kennt es und weiß, dass der Gang der Dinge letztendlich dann doch irgendwann der Papierkorb ist.

Tja, und da standen wir nun und harrten der Wunderdinge, die da geschehen sollten. Eine gestandene Verkäuferin, die den Verpackungstisch im Griff hatte, verwies uns an eine goldblonden Schönheit, die sich noch gerade über ihre glatten Haare streichen musste, bevor sie sich uns zuwandte.

Ich hab mir den doofen Witz geleistet:
„ Bitte, jetzt zaubern sie mal die Verpackung über die Verpackung!“ Klar was das Parfüm schon in Zellophan eingeschweißt, Verpackung Nr. 1,  aber dieser dämliche Satz, brachte unsere Zauberin zum Erstarren. Sie guckte das Päckchen und stottert.
„ Wie soll das denn gehen ?“

Hab ich richtig gehört ? Wie das gehen soll? Ich war aufmerksam geworden und bereute meinen dämlich Satz zutiefst. Die robuste Herrin der Verpackungsinsel war aufmerksam geworden und drückte der Zauberin eine große Schere in die Hand und sagte :

„Los !“

Die schlanken, makellosen Finger mit den perfektesten Nägeln, die man sich denken kann, fummelten an der abgestumpften Schere herum, suchten die Griffe, fädelten zuerst die Finger der linken Hand in die Grifflöcher, ließen, die Schere nach Luft schnappen, entschlossen sich dann doch lieber die rechte Hand dem gefährlichen Instrument anzuvertrauen und da stand sie mit der großen, stumpfen Schere. Sie hatte in ihrem ganzen jungen Leben noch niemals eine Schere in der Hand gehalten. Da bin ich mir sicher. Sie fuchtelte damit herum,… die Desk-Herrin, schoss heran, riss ihr das Mordsinstrument aus der Hand, die Finger steckten noch drin, es gab ein leises und vorwurfsvolles „Aua!“ und  schnitt 30 cm Goldpapier von der Rolle und legte das Papier mit der linken Seite nach oben und zischte jetzt  :

Los !“

Die blonde Fee… sorry, aber sie war wirklich blond,… faltete nun ein Päckchen. Es tut mir leid, mir fehlen im wirklichen Sinn die Worte…was da ablief. In meinem Hirn sagte ich mir, dass ich unendlich verwöhnt sei, denn wir hatten in Japan fast ebenso fassungslos wie hier beobachtet, wie diese Hexen einen schlichten Lidschatten zu einer Krönungsgabe verpacken in 30 Sekunden. Also, ich habe zu hohe Ansprüche dachte ich. Gut, ruhig bleiben! Zugucken.

Das Päckchen nahm tatsächlich halbwegs rechtwinklige Form an. Die Fee strahlte. Dann versuchte sie dem Ganzen noch den allerletzten Schliff zu geben. Sie schob dazu eine Schublade unter dem Desk auf und wollte eine vorgefertigte silberne Schleife herausholen. Das misslang ihr. Ein ganzes Bündel kam der Ärmsten entgegen, sie hatte aber auch wirklich  Pech!
Auf der Erde muss sie dann wohle eine Schleife raus gefriemlet haben und diese sollte dann  mittig auf dem Päckchen  mit Tesafilm geklebt. Bitte, ich beschreibe nicht, wie sich der Tesa verdreht hatte und wie oft sie von der Rolle ein neues Stückchen abgerissen hat. Ich bin gnädig. Es wäre echt gemein! .

Da saß sie die Schleife endlich und wackelte. („Rechts hin!“ wollte ich ihr zurufen, nicht in die Mitte !“). Diesmal hab ich meinen Mund gehalten. Das Päckchen wurde uns überreicht und sofort wieder aus der Hand gerissen. Sie drehte es auf die Rückseite, das war in diesem Fall die faltenfreie Seite… riss wieder eine unterirdische Schublade auf und verschwand in den Tiefen des Verpackungsvorrates. Dann tauchte sie leicht gerötet wieder auf und zeigte triumphierend ein Klebeetikett, das noch auf das Päckchen gepappt werden musste und schrieb dann stolz ihre Initialen auf die Rechnung.

Hic fecit ….nein, nein… böse Ulla, das hat Michel Angelo auf seine Pieta gemeisselt. . Michel Angelo !

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